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Die Geschichte dahinter …


Da ich die wunderschöne Gelegenheit ergreifen darf, eine Vernissage zugunsten des Indradhanu Kindergarten- und Schulprojektes durchzuführen, möchte ich in diesem Blog meine bisherigen Erfahrungen Euch, die Ihr Euch hier einloggt, berichten. Ich hoffe sehr, dass Ihr mit mir ein Stück geht, sei es einfach nur durch die innere Beteiligung beim Lesen oder auch durch aktive Hilfe bei diesem Projekt.

Um darauf einzugehen, muss ich kurz berichten, wie ich dazu kam. Aus beruflichen Gründen meines Mannes beschlossen wir 2015 mit unseren zwei Jungs (damals 15/10 Jahre alt), sowie unserer Setterhündin Fari ein Jahr nach Südindien/Chennai zu gehen. Unsere zwanzigjährige Tochter war in dieser Zeit in der Ausbildung und war nur anfangs zu Besuch dabei.

Da ich für mich auch nach einer Tätigkeit suchte, möglicherweise im waldorforientierten Bereich, fand ich die erste Schule in Chennai, die sich in diese Richtung orientierte. Nach anfänglichem „Beschnuppern“ wurde sehr schnell klar, dass der Kindergarten nach ganz praktischer Anleitung suchte. Die beiden Gründer, Saradha Manikam, Psychologin und John Miller, Ergotherapeuth, die seit einigen Jahren in ihrer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Einschränkungen zusammenarbeiteten, fanden in Vorträgen zur waldorforientierten Erziehung eine große Motivation für ihre weitere Arbeit. Daraus erfolgte der Wunsch eine Schule, in der die Kinder gemeinsam mit Freude lernen und spielen, zu eröffnen. In Indien gibt es ein sehr rigides staatliches Schulsystem und in den großen Städten, wie Chennai auch viele private, sehr teure Schulen. Immer noch sind Kinder für Eltern in Indien oft die einzigste Altersvorsorge. Und dementsprechend hat sich ein extrem leistungsorientiertes Denken durchgesetzt. Immer wieder musste ich in unserem Indienjahr in der Zeitung lesen, dass sich gerade Jugendliche wegen nur mittelmäßigen Schulnoten, das Leben nahmen. Dem etwas entgegenzusetzen für ein gesundes freudiges Lernen und ein mehr selbstbestimmtes Leben für Mädchen und Jungen gleichermaßen, wurde den Beiden zum Ansporn. Ihre Zuwendung gilt gleichermaßen Kindern und Jugendlichen mit speziellen Bedürfnissen. Auch ihnen ein lebenswertes Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen, sie hinzuführen zu Eigenständigkeit, ist ihnen bei ihrer Begleitung wichtig.
In dieser Zeit meiner Ankunft, wurde nach ganz konkreter praktischer Hilfe gesucht, um die entstandenen Ideen und Überzeugungen umzusetzen. Besonders der Kindergartenbereich war ein großes Thema, da die gängigen Methoden schon in diesem Alter auf reines Unterrichten gezielt sind. Ich sah bei meinen Besuchen in Kindergärten schon kleinste Kinder vor einem zentralen Computer sitzen, um Schriftzeichen zu lernen und der Spielplatz lag ohne Schatten in der prallen Sonne ohne jegliches Spielzeug. Es wurde also um Anleitung gesucht, um die Bedürfnisse gerade von kleinen Kindern zu erfahren und in der Betreuung umzusetzen.

Und hier begannen auch meine Aufgaben.

In diese Anfangszeit fiel auch noch das Jahrhunderthochwasser in Chennai, was hieß, dass sämtlicher Verkehr in der Stadt lahm gelegt war, der furchtbar dreckige Fluss mitten in Chennai über die Ufer trat und seinen Unrat in die Stadt spülte, somit die Slumhütten absolut unbewohnbar wurden. Banken und Tankstationen blieben geschlossen, sämtliche Versorgung wurde nur noch sehr existentiell betrieben, auch der Flughafen war nicht mehr nutzbar. Außer der Gefahr von Stromunfällen, wegen der abenteuerlichen Elektrik allerorten, bestand auch noch Seuchengefahr. Aber endlich konnten wir mit der Arbeit beginnen. Auch das Gebäude hatte gelitten. Wobei das Gute wiederum an diesem Klima in Südindien ist, das mit der Wärme und Sonne auch die Mauern schnell wieder trocknen konnten. Wir strichen die Wände, besserten Schadstellen aus, richteten den Kindergarten den gegebenen Möglichkeiten nach ein, d.h. die für Indien typischen Rattanregale, Stoffe und ganz elementare Dinge, wie Bauklötze und etwas Material dazu. Dies wurde möglich gemacht durch den auch finanziellen Aufwand der Gründer. In meinem Einsatz plante ich auch den recht beengten Außenbereich um. Es war sehr motivierend für mich zu sehen, wie ansteckend diese Erneuerung und das tägliche praktische Arbeiten auf die Erzieher und Lehrer wirkte und wie sich in kleinen Schritten ein neues Bewusstsein, Freude und ganz behutsam auch eigener Innovationswillen bei den Erziehern heraus bildete.

Da die Wände in Waldorfeinrichtungen, aus Gründen der Entwicklung der Kinder in verschiedenen Lebensstufen, in bestimmten Farben und einer bestimmten Technik gestrichen werden, bekam ich eine Mama zur Seite gestellt, die sich mit Farben und der Thematik auskannte. So lernte ich Sathya kennen, von der wir die Bilder für unsere Ausstellung bekommen haben. Ich habe sie sehr mögen und schätzen gelernt. Einmal als Mensch aber auch als Künstlerin, wie sie Bilder und Farben vor ihrem inneren Auge fast meditativ entstehen lies und zum Ausdruck brachte.

Nach einem Jahr nahmen wir Abschied von Indien, aber die angefangene Arbeit im Kindergarten war mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen und so beschloss ich weiterhin dafür tätig zu bleiben.

Es sind insbesondere drei Punkte, die mich bestärken dieser Initiative weiter zu helfen:

Die Leiter setzen sich mit dieser Initiative für eine neue und wegweisende Zukunft der Kinder in ihrem Heimatland ein. Die Kinder werden gesehen als die Gestalter ihrer Zukunft und der Gemeinschaft in der sie leben.

Von Beginn an sind die Kinder und Jugendlichen mit besonderen körperlichen und geistigen Bedürfnissen ein Teil dieser Gemeinschaft, also gelebte Inklusion.

Und die Schulen sollen auch weiterhin nutzbar sein für Menschen aus schwierigeren Lebensumständen, also ohne große finanziellen Möglichkeiten. Eine solidarische Gemeinschaft über familiäre und religiöse Barrieren hinweg, was so in Indien noch nicht gängig ist.

Ich versuchte hier in Deutschland und in der Schweiz eine empfohlene Stiftung zu überzeugen, Geld für dieses Projekt zu geben. Ich traf viele freundliche und hilfsbereite Menschen, die mir aus ihren eigenen Erfahrungen berichteten. Doch die Geldsuche erwies sich als sehr schwierig. Inzwischen reiste ich noch einmal auf eigene Kosten nach Indien im Dezember 2016. Es war das Jahr der Gründung eines eigenen Vereins für die Waldorfpädagogik in der frühen Kindheit in Mumbai und ich durfte zur Kontaktaufnahme und zum Kennenlernen daran teilnehmen. Die anderen Tage arbeiteten wir zusammen im Kindergarten an täglichen Abläufen und ich begann mit meiner weiteren Arbeit einen praxisorientierten Workshop aufzubauen. Das waren alles noch sehr spontane Dinge, oft einfach geleitet und getragen von eigenen Erfahrungen, Suchen nach dem indischen Modell und immer wieder Üben. Wer schon einmal in Indien war, wird mir zustimmen, dass das ganze Reglement und viele Abläufe einfach zwischen zwei Extremen stattfinden. Einmal geht alles nur schwierig und mit sehr viel Warten, Zeitaufwand, Beziehungen… und das andere Mal wird alles von jetzt auf sofort beschlossen umgestellt und dann irgendwie weiter gemacht. Für unsere Vorstellungen und Mentalität zeitweise etwas fremd und auch zuweilen anstrengend. Auch das Thema Nachhaltigkeit, Erhalt, Pflege, Verantwortlichkeit ist ein großes Feld zum Lernen und Üben. Dafür macht es viel Sinn immer wieder Vor Ort zu sein und zusammen zu arbeiten.

Inzwischen hatten wir einen schönen ersten Erfolg. Wir wurden mit unserem Anfrage bei der Bäckerei- Kette von K&U bei ihrem tollen Spendenprojekt wirklich mit in den Spendentopf aufgenommen.
Bei meinem nächsten Besuch im April 2018 konnten wir, dank dieser ersten Spende von K&U, ein wunderbares und vielseitiges Klettergerüst anschaffen, was von den Kindern sehr intensiv genutzt wird. Das war eine schöne Initialzündung für das lebhafte Spiel im Freien. Das freie Improvisieren und Spielen ist in Indien von der neuen leistungsorientierten Entwicklung ziemlich in den Hintergrund gedrängt worden. Und nur sehr zaghaft kommen durch solche Initiativen wieder so wichtige Aktivitäten für eine gesunde Entwicklung der Kreativität, der Fantasie, der motorischen Entwicklung als Grundlage für das Lernen und die Eigenständigkeit zum Vorschein.

Nach einer Anfrage von Sathya, ob ich ihren Traum von einer professionellen Kunstausbildung unterstützen könnte, (was mir unmöglich ist), kam mir die spontane Idee, statt dessen, eine Ausstellung ihrer Bilder hier in Deutschland zur Unterstützung der Schulinitiative zu organisieren. Ziemlich ins Blaue hinein, muss ich gestehen, ohne vorher genau zu wissen, wie umfangreich sich das gestalten würde. Aber wahrscheinlich war gerade das gut so. Ich begann zu fragen und vielleicht gerade darum, weil ich keine großen Erwartungen daran hatte, bekam ich so viel positive Resonanz und Hilfe, die mich wirklich sehr berührt und beflügelt hat.

Neben vielen Fürsprechern, also Menschen, die mir Tipps gegeben haben und mir dadurch weiter geholfen haben, möchte ich besonders die ganz aktiven Unterstützer dieses Tages, dieses Null Euro Events benennen. Die Gemeinde Albbruck mit Herrn Kaiser und Herrn Kuhlmey, die mir das ganz offen und unkompliziert ermöglicht haben, im Rathaus auszustellen. Rafael Hermann, der ganz spontan zusagte mit seiner Band „Roaring Tomtits“ die musikalische Umrahmung zu übernehmen. Miggi Pfeiffer, der für die Gestaltung der Flyer verantwortlich ist und die Gestaltung des Art Blog unter seine Fittiche nahm. Die Firma Rauscher in Albbruck, die mir die schönen Ausdrucke der Flyer und der Künstler Karten ermöglichte. Der Inhaber des indischen Restaurants Sawasdee in Albbruck, der sich sofort bereit erklärte indischen Finger Food zu spenden für diesen Abend, trotz das er aus Pakistan stammt und nicht aus Indien. Die Bäckerei K&U, die mir dafür ein reichhaltiges Buffet bereitstellte. Edeka in Albbruck spendierte dafür Getränke, die wir heute genießen. Margot Werne, eine Malerin und liebe Oma unseres Kindergartens rahmte den ersten Teil der Bilder mit Rahmen aus ihrem Bestand und sorgte für den passenden Hintergrund. Ja überhaupt Rahmen. Die Bilder kommen natürlich ohne diese aus Indien, da sonst extrem hohe Transportkosten entstehen würden. So bekam ich auch spontane Zusagen von lieben Menschen Bilderrahmen zu spenden.

Euch allen möchte ich auch auf diesem Wege von ganzem Herzen danken.

Mit der Motivation aus diesen Erlebnissen, wie etwas aus diesem Ansatz „Freunde fragen“, entstehen kann, können wir gemeinsam weiter machen, um diese Stätte für die Kinder und Jugendlichen zu erhalten.
Unser großes Ziel ist ein eigenes Grundstück, um den Traum zu verwirklichen, dass all diese Kinder und Jugendlichen mit ihren verschiedensten Hintergründen und Möglichkeiten gemeinsam einen Ort zum Leben und Lernen ihr eigen nennen können.

Einladung zum Kunstprojekt aus Indien. Elke Rienecker aus Albbruck-Buch engangiert sich für eine junge indische Künstlerin und präsentiert ihre Werke exklusiv am 8. März im Rathaus in Albbruck.


Sathyadeepa aus Chennai, Indien. Von Kindheit an hatte ich eine starke Neigung zur Kunst. Ich habe viel gezeichnet da es mich beruhigte. Der Waldorfkindergarten den ich für mein Kind suchte, brachte mich dem Zeichnen noch näher und ich durfte die Wände des Kindergartens bemalen.

Eine Waldorflehrerausbildung in Indien unterstützte meine Leidenschaft. Durch Workshops lernte ich die technischen Details eines Gemäldes kennen. Meine Bilder sind eher mit meiner inneren Reise verbunden. Malen gibt mir inneren Frieden und ist für mich ein meditativer Prozess. Durch die Bilder kann ich mit der Welt kommunizieren und Liebe verbreiten.

Vor kurzem begann ich mit „Kayampoo“ einer seltenen medizinischen Blume zu malen. Ein tamilischer Heiliger hat ein Lied über die heilenden Eigenschaften der Kayampoo-Blume geschrieben, das mich sehr beeindruckt hat, da seine Beschreibung zu meinen Gedanken beim Malen passt. Kunst heilt und ich glaube, dass meine Bilder Ihnen Frieden und Liebe bringen.